Reisebericht Nigeria Januar 2017 Travel report Nigeria January 2017

Vom 10. bis 25. Januar konnte ich wieder nach Nigeria reisen, diesmal nicht allein, sondern mit einer kleinen Reisegruppe.

Von dieser Reise will ich nicht einen detaillierten Tagesablauf schildern, sondern Ergebnisse und Eindrücke zusammenfassen.

From 10th to 25th January, I was able to travel to Nigeria, not alone, but with a small travel group.

This time I will not describe a detailed day-to-day sequence, but will summarize the results and impressions.

Zuerst zum IDP-Camp Gurku

Die erste große Überraschung war das Gästehaus. Es ist voll eingerichtet und wunderschön geworden. Küche und Bäder sind gefliest, in den Schlafräumen stehen Betten, Schränke, Sessel und Schreibtische und die Küche ist voll eingerichtet und benutzbar. Aus den Duschen kommt fließendes Wasser und der Strom aus der Solaranlage lässt es Tag und Nacht hell werden. Um das Haus herum blühen Blumen und von der Terrasse hat man den schönsten Blick auf die Sonnenuntergänge.

First to the IDP camp Gurku

The first big surprise was the guest house. It has become fully furnished and beautiful. The kitchen and bathrooms are tiled, the bedrooms have beds, wardrobes, armchairs and desks and the kitchen is fully equipped and usable. Running water comes from the shower and the electricity from the solar system makes it day and night bright. Around the house flowers bloom and from the terrace you have the most beautiful view of the sunsets.

Zur Vervollkommnung des Wohlbefindens haben wir angefangen, vor dem Haus einen Pavillon zu bauen für das gemütliche abendliche Abhängen.

In order to improve our well-being, we began to build a pavilion in front of the house for the smart evening outings.

Von den anderen Projekten ist unterschiedliche Effektivität zu melden, aber keines ist eingegangen. Manche müssen halt noch ein bisschen wachsen, wie zB die Schneiderei. Andere, wie etwa die Fischzucht haben recht gut geklappt. Allerdings hält jetzt in der Trockenzeit der Fischteich das Wasser nicht mehr. Auf der Suche nach Abhilfe, haben wir aus dem Weihnachtsnachlass eine riesige Plane erstanden, um das Becken damit abzudichten.

Different effectiveness has to be reported from the other projects, but none has been received. Some have to grow a bit, like tailoring. Others, such as fish farming, have worked quite well. However, in the dry season the fish pond no longer holds the water. In the search for remedy, we have bought from the Christmas estate a huge tarp to seal the basin thereby.

Natürlich haben wir auch wieder einige Workshops gemacht. Seife gibt es nun in den Geruchsvarianten „Lemon“ und „Lavendel“. Und an Salben gibt es jetzt reichlich Honigsalbe für den Babypopo und bei Hautverbrennungen, sowie Ingwersalbe gegen den Rheumatismus älterer Ladies. Dies und weitere Produkte sollen nun regelmäßig in einem ersten behelfsmäßigen Shop an der Straße verkauft werden, worauf nun auch ein großes weißes Schild hinweist.

Of course we did some workshops again. Soap is now available in the odor varieties "Lemon" and "Lavender". And there are now plenty of ointments e.g. honey ointment for the babypopo, and for burns of the skin, as well as ginger ointment for the rheumatism of older ladies. These and other products are now regularly sold in a first makeshift shop on the street, which is now also indicated by a large white signboard.

Das beste Ergebnis dieser Reise freilich ist – die Biogasanlage. Tatsächlich hat es geklappt, dass Michael Mollel, Massai und Ingenieur, gleichzeitig mit uns ankam und begonnen hat, mit den Einwohnern des Camps dieses energiesparende Projekt in Angriff zu nehmen. Die Vorbereitungen haben fast eine Woche gedauert, nun aber ist die große Grube ausgehoben und der Gärbehälter schon im Bau. Wenn er fertig ist, soll der Inhalt der Toiletten des Montessori-Kindergartens (noch im Bau) und der Toiletten der gerade in Angriff genommenen Grundschule, sowie einer evtl. noch zu bauenden öffentlichen Toilettenanlage in den großen Behälter geleitet werden und sich dort in Gas verwandeln. Damit können dann die Frauen in der neuen Schulküche das Frühstück für die erwarteten 600 Schüler kochen. Dafür müssen sie dann nicht mehr mühsam Holz sammeln gehen und haben saubere Töpfe, an denen kein Ruß klebt. Wenn das Gas reicht, soll auch noch ein Kühlschrank für die Medikamente in der Apotheke angeschlossen werden.

The best result of this trip, of course, is the biogas plant. In fact, it has worked out that Michael Mollel, Maasai and engineer, arrived at the same time with us and started to tackle this energy-saving project with the inhabitants of the camp. The preparations took almost a week, but now the big pit has been lifted and the fermenting container is already under construction. When finished, the contents of the toilets of Montessori kindergartens (still under construction) and the toilets of the primary school that has just been set up, as well as any public restrooms to be built, are to be led into the large tank and turned into gas there . This allows the women in the new school kitchen to cook the breakfast for the expected 600 students. They do not have to collect wood and have clean pots that do not have soot. If the gas is enough, a refrigerator for the drugs in the pharmacy should be connected.

Und es geht weiter. Nächste Woche beginnt der Bau von weiteren 16 Häusern für Witwen, die wir aus den Lagern rausholen und hier neu ansiedeln können. Die schon gebauten 16 werden also noch mal gedoppelt.

Jedes Haus mit Küche und Bad kostet etwa 2000 Euro. Für sechs Häuser haben wir das Geld schon zusammen. Wer ein weiteres Haus finanzieren möchte, kann dem Haus dann auch einen Namen geben.

And it goes on. Next week will begin the construction of another 16 houses for widows, which we can get out of the camps and resettle here. The already built 16 are thus doubled again. Each house with kitchen and bathroom costs about 2000 Euros. For six houses we have the money already together. Who wants to finance another house, can give the house a name.

IBAN DE43 5206 0410 0104 9488 66 - Widowscare

Und so sieht ein Witwenhaus aus: So a widows house looks like:

Und nun zu Maiduguri.

Das ist das Kontrastprogramm.

Man fliegt zwar nur eine Stunde von Abuja nach Maiduguri und der Flugservice hat sich wesentlich verbessert, aber dennoch hat man den Eindruck in ein anderes Land zu kommen. Zwischen beiden Städten liegen Welten. Schon bei der ersten Fahrt durch die Stadt wird deutlich, dass Verkehr und Handel im Vergleich zum Vorjahr noch weiter abgenommen haben. Wenige Autos, dafür mehr gelbe Dreiradtaxis. Viele Geschäfte sind nach wie vor geschlossen, wenige Händler am Straßenrand (nur noch Männer) mit ein paar Orangen oder einem Häufchen Erdnüssen und drei Tomaten vor sich. Immerhin sind die öffentlichen Schulen wieder geöffnet, nachdem sie alle mit einer hohen Mauer mit Stacheldraht drauf umgeben worden sind.

And now to Maiduguri

This is the contrast program. It is only one hour from Abuja to Maiduguri by plane and the flight service has improved considerably, but you have the impression to come to another country. There are worlds between both cities. Already during the first trip through the city, it is clear that traffic and trade have declined further compared to the previous year. Few cars, but more yellow tricycle taxis. Many shops are still closed, few traders on the roadside (only men) with a few oranges or a pile of peanuts and three tomatoes in front of them. But nevertheless, the public schools are reopened after they have all been surrounded by a high wall with barbed wire.

Im IDP-Camp gleich neben unserer EYN-Kirche Nr. 1 hat sich einerseits die Lage etwas entspannt, nachdem UNHCR im vergangenen Oktober die maroden Zelte und Eigenbauten z.T. durch Unterkünfte aus Latten und Planen ersetzen sowie außerhalb neue Toiletten bauen konnte. Auch konnte die Zahl der Bewohner auf ca. 2000 reduziert werden und vormittags gehen nun die größeren Kinder in eine wiedereröffnete nahe Grundschule. Andererseits steigen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit je mehr Zeit verstreicht.

In the IDP camp next to our EYN Church No. 1, the situation has relaxed somewhat since UNHCR last October replaced the tiring tents and self-built buildings with slats and tarpaulins, and built new toilets outside. Also the number of the inhabitants could be reduced to approx. 2000 and in the mornings now the bigger children go into a re-opened near primary school. On the other hand, desperation and hopelessness are increasing as time passes.

Ein großes Ereignis war es, dass am Tag vor unserer Ankunft (19.1.2017) aus dem Tal „bayan dutse“, das seit Juni 2014 von Boko Haram besetzt ist, einige Menschen gerettet werden konnten, vor allem Alte. Die konnten nicht mehr weglaufen, als BH kam und so lebten sie nun zweieinhalb Jahre in ihren eigenen Häusern unter Fremdherrschaft, mussten von BH ihre eigenen Farmen wieder zurückkaufen und trotzdem haben die Terroristen sie dann von ihrer mageren Ernte noch vertrieben und sie selber eingesackt. Das erzählen sie, als wir 17 von ihnen treffen im Camp. Alle sind spindeldürr, gehen mit Stock oder müssen halb getragen werden, einige sind erblindet. Die Kleidung fällt ihnen fast vom Leib. Es ist ein Bild, dass uns die Tränen in die Augen treibt. Sie erzählen, dass jüngere Frauen, die nicht weglaufen konnten, von BH Kämpfern „geheiratet“ worden sind, dass all zwangskonvertiert wurden. Wer sich weigerte, wurde getötet, mit Macheten.

A big event was that one day before our arrival (19.1.2017) some people could be saved, especially older ones from the valley "bayan dutse", occupied by Boko Haram since June 2014. They could not run away when BH came and they lived up to now for two and a half years in their own houses under foreign domination, had to buy back their own farms from BH and the terrorists still drove them out of their meager harvest and sacked it. That's what they told us when we met 17 of them at the camp. All are spindly, going with stick only or have to be carried half, some are blinded. The clothes almost fall from their bodies. It is a picture that brings tears to our eyes. They tell that younger women who could not run away were "married" by BH fighters, and all were forced to convert. Those who refused were killed, with machetes.

In Gavva 2, berichten sie, einem einst 100% christlichen Dorf, in dem auch die Missionshäuser standen, steht kein Stein mehr auf dem anderen. Das ganze Dorf wurde radikal zerstört und weggeräumt. Wohnhäuser, Kirchen, Schule, Läden, Bäume – alles abgebrannt und die Reste weggeschafft. Eine leere wüste Fläche ist da geblieben. Damit wolle Boko Haram deutlich machen, dass sie es nie zulassen werden, dass hier je wieder Christen siedeln, sagen sie. Und erzählen dann von einzelnen Schicksalen. Für manche wird zur Gewissheit, dass ihre Angehörigen dort nicht mehr leben. Oder verschwunden sind, was auch nicht besser ist.

Es waren keine nigerianischen Soldaten, die sie da rausgeholt haben erzählen die alten Menschen, sondern kamerunische und tschadische. Nigerianische hätten sich nicht ins Tal getraut.

Auch sonst ist man auf die eigene Armee nicht besonders gut zu sprechen. So soll es Offiziere geben, die ihren Soldaten befehlen, BH Kämpfer laufen zu lassen. Solange es Kämpfe gibt, fließt Geld.

In Gavva 2, a former-100% Christian village, where the mission houses were located they tell us, the entire village was radically destroyed and cleared away. Houses, churches, schools, shops, trees - all burned down and the remains removed. An empty desert area has remained. With this, Boko Haram wants to make it clear that they will never allow any Christians to settle here again, they say. And then they tell about individual fates. For some, it becomes certain that their relatives are no longer alive, or have disappeared, which is also not better. Not Nigerian soldiers brought them out there, but Cameroonian and Chadian soldiers. Nigerians would not have dared to enter the valley. Generally they don’t speak good about their own army. So there will be officers who command their soldiers to shut in the air during fights and let BH fighters run away. As long as there are battles, money flows.

Das beste Erlebnis in Maiduguri war natürlich wieder die Spendenverteilung an die Witwen. Eintausend kamen diesmal, in Wellen, weil nicht alle auf einmal in den Kirchhof passen.

The best experience in Maiduguri, of course, was again the donation to the widows. One thousand came this time, in waves, because not all at once fit into the churchyard.

Und 130 Waisen haben wieder ihre Schulgebühren bezahlt gekriegt.

And 130 orphans have paid back their school fees again.

Freilich haben mich die Preise geschockt. Ein Sack Mais kostete letzte Woche 19.000 Naira. Eine Witwe im Straßenfegedienst verdient im Monat 10.000 Naira. Unsere Überweisungen reichen nicht, um alle 2125 Witwen für einen ganzen Monat zu versorgen. So erhalten sie nur versetzt Hilfe und müssen in der übrigen Zeit zusehen, wie sie über die Runden kommen. Es ist für christliche Witwen nach wie vor nicht leicht, ein eigenes Geschäft anzufangen. Einen Laden mieten können sie nicht, auch steht ihnen kein Land zu, falls es welches gibt. Aber irgendwie hangeln sie sich durch. Ich bin immer wieder überrascht, wie sie das Leben unter diesen erschwerten Bedingungen und nach allem was sie durchgemacht haben, managen. Woher nehmen sie die Kraft dafür? Am Sonntag im Gottesdienst erfahre ich das.

The best experience in Maiduguri, of course, was again the donation to the widows. One thousand came this time, in waves, because not all at once fit into the churchyard. And 130 orphans have paid back their school fees again.

Of course, the prices shocked me. A sack of corn cost 19,000 Naira last week. A widow in the street service (sweeping the roads) earned 10,000 Naira a month. Our transfers are not enough to provide all 2125 widows for a whole month. In this way, they receive help sometimes only and have to manage somehow the rest of the time. It is not easy for Christian widows to start their own business. They can not rent a shop, nor do they hire a land, if there is one. But somehow they are moving through. I am always amazed how they manage life under these difficult conditions and after everything they have been through.

Where do they get the strength for it? On Sunday in the service I can experience that.

EYN Nr. 1 in Maiduguri

EYN No. 1 in Maiduguri, rebuilt

3000 Menschen füllen die Kirche, ein 60köpfiger gemischter Chor singt, mit Orgelbegleitung (!), drei Jugendchöre, zwei Frauenchöre. Der ganze Gottesdienst mit seinen Liedern Lesungen, Gebeten, Predigt und Kollekten ist wirklich ein Gesamtkunstwerk und gibt auch mir wieder Mut und Kraft für die nächsten Aufgaben – und die Freude, sie tun zu dürfen.

3000 people fill the church, a 60-headed mixed choir sings, with organ accompaniment (!), three youth choirs, two women choirs. The whole service with his songs readings, prayers, sermons and offerings is really a total work of art and gives also me courage and strength for the next tasks - and the joy of doing them.

(Hier sollte eigentlich ein Video mit ihrem Lied kommen. Upload hat nicht geklappt)

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